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Oder: Sitzen als Hochleistungssport

Von Katja Stafenk

Sitzen in der Disko? Das ist ein Statement, das ist Aufbegehren gegen schlechte Musik und gegen den Massengeschmack. Wie aber soll diese Verweigerung stattfinden, ohne dass die Veranstaltung sich selbst sabotiert? Die Antwort ist ganz einfach. Man lässt das Publikum der Schwankhalle auf Sitzsäcken oder auf dem Boden Platz nehmen, stellt ein flackerndes und knisterndes DVD-Kamin-Feuer davor und lässt die Menschen bis zur letzten Minute im Ungewissen darüber, ob es denn in Ordnung geht, dass sie sitzen. Denn eigentlich bot das Programm am Samstagabend genug Anlässe um aufzustehen, zu springen und zu tanzen.

Die Berliner Kabarettistin und Gastgeberin Susanne Betancor – „die Popette“ – begrüßte in ihrer selbstironischen, launigen Art das Publikum, welches den Sitzmöbeln zahlenmäßig leicht überlegen war und ging dann dazu über zwei Lieder am Klavier anzustimmen. Die konsequent minimalistische Instrumentierung, gepaart mit allerlei Albernheit, Ironie und Lust am Unsinn, wurden mit leisem Lächeln und verhaltenem Gackern des Publikums quittiert. Ohne Umschweife rief die Betancor dann HOT, eine Berliner Rock Band auf die Bühne. Was für ein Bruch! Der Frontmann der vierköpfigen Kapelle erklärte kurz vor dem Anstimmen des ersten Liedes: „wir machen hier jetzt ein bisschen Krach und dann geht’s weiter“. Ein bisschen Krach, das waren zwei Lieder, die mit stampfendem Bass, krachendem Schlagzeug und kreischender Gitarre die Luft zum Brennen brachten. Der Sänger, der sich zwischen Jodeln und Schreien aller Facetten des Singens bediente, ließ keinen Zweifel daran aufkommen, wozu Hot angetreten waren: die Sitzenden zu unterhalten. Nach Hot durfte dann die Berliner Liedermacherin Johanna Zeul ans Mikrofon. Mit ihrer fordernden Art und ihrer Präsenz versuchte sie schon während des ersten Liedes das von Natur aus maulfaule Bremer Publikum zum Mitsingen zu animieren. Leider nur mit mäßigem Erfolg.

Nach einer kurzen Pause ging diese Reihenfolge von vorn los. Da sowohl Künstler als auch Publikum langsam warm miteinander geworden waren, kam es zu einer aberwitzigen und sehr unterhaltsamen Verschmelzung von Klavier-Kabarett, Großstadtrock, Liedermacher-Versen und – Sitzen. Vor allem HOT fanden Gefallen daran, sich über die Haupttätigkeit des Publikums lustig zu machen. Das Publikum schien dieser Ironie gewachsen und bestärkte die Rocker mit gefälligem Fußwippen und Kopfnicken. Es war absurd und gut (Bildquelle: Betancor).

Gäste der 2. SITZDISKO am 6.3.2010 sind Harndorf, Ddanny Dziuk

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