Medizinverbrechen an Kindern im Nationalsozialismus / Ausstellung in der Zentralbibliothek

Dem staatlich organisierten Krankenmord fielen zwischen 1939 und 1945 hunderte Bremerinnen und Bremer zum Opfer – unter ihnen zahlreiche Kinder und Jugendliche. Die von der KulturAmbulanz zusammengestellte Ausstellung „entwertet-ausgegrenzt-getötet“ thematisiert Fragen zu diesen menschenverachtenden Taten: Was war das treibende Motiv der Täter? Warum haben Ärzte bedenkenlos den vermeintlichen „Fortschritt“ und das „Wohl der Gesellschaft“ über das Wohl des Einzelnen gestellt? Vom 9. bis 31. Oktober ist die Ausstellung im Altbauring der Zentralbibliothek zu sehen. Bei der Vernissage am Montag, den 8. Oktober spricht Achim Tischer (KulturAmbulanz) die Einführung. Für die musikalische Umrahmung sorgt der Bremer Weltmusiker Willy Schwarz.

Zu den Opfern dieser Medizinverbrechen zählten auch Patienten der Bremer Nervenklinik sowie Bewohner des Hauses Reddersen, der ersten bremischen Pflege- und Erziehungsanstalt für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche. Die Bewohner des Hauses gehörten zu den gesellschaftlich als „Ballastexistenzen“ entwerteten und ausgegrenzten Menschen. Mit Kriegsbeginn wurden sie in andere Einrichtungen gebracht, wo sie an den Folgen von Medikamentenüberdosierungen, Nahrungsentzug und mangelnder Pflege starben. Weitere Jungen und Mädchen aus Bremen kamen im Rahmen der „Kindereuthanasie“ in der „Kinderfachabteilung“ Lüneburg ums Leben.

Im Rahmen der Ausstellung wird es am Montag, 15. Oktober um 17 Uhr ein moderiertes Zeitzeugengespräch mit den Bremern Friedrich Buhlrich und Hans-Walter Küchelmann geben.

Eine Ausstellung in Kooperation mit der KulturAmbulanz. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Krimibibliothek der Zentralbibliothek, Am Wall 201. Der Eintritt ist frei.

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