Fotograf Shu Shi Li

Stille Poesie einer Ästhetik des Banalen

Janis E. Müller, Meisterschüler der Hochschule für Künste Bremen in der Klasse Jean-François Guiton, ist der Preisträger des Karin Hollweg Preises 2012.

Der Karin Hollweg Preis ist der höchstdotierte Kunstförderpreis aller Kunsthochschulen in Deutschland. Ermöglicht wird er dank der großzügigen Unterstützung der Karin und Uwe Hollweg Stiftung. Der Preis ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert, wobei eine Hälfte als Preisgeldes direkt an den Preisträger geht, die zweite Hälfte vom Preisträger als Projektmittel für die Realisierung eines Ausstellungsprojektes genutzt werden sollen.

Die künstlerische Arbeit des 1982 in Achim geborenen Janis E. Müller ist grundsätzlich multimedial angelegt und reicht von der Zeichnung über audiovisuelle Medien bis hin zu raumgreifenden Installationen. Dabei zeichnet sich das Werk dadurch aus, dass es im kalkulierten Einsatz der Medien mit sparsamsten Mitteln ein hohes Maß an Wirkung erzielt. Janis E. Müller kontert damit die hochtechnisierten Materialschlachten einer Welt des weltumspannenden Kommerzes mit der stillen Poesie einer Ästhetik des Banalen. Er tut dies mit untergründigem Witz und einem gerüttelt Maß an treffsicherer Ironie.

In den beiden Werken, die Janis E. Müller für die Meisterschüler-Ausstellung in der Weserburg geschaffen hat, operiert er in dieser Weise mit angesammelten Materialien, die er zum Klingen bringt. In der Arbeit „Weniger“ (2012) hat Müller Gegenstände, die in seinem Umfeld gestrandet sind, zu einem Kreis geformt, über den ein Zeiger in ständiger Rotation ein kleines Pendel zirkulieren lässt, das den Gegenständen einen Klang entlockt. Es entsteht ein Percussions-Gesang der Gegenstände, der einer denkbar einfachen Anordnung und dem Zufall geschuldet ist.

In seiner zweiten Arbeit, „Regen kommt“ (2012), spannt der Künstler in skulpturaler Weise eine Saite, die von einer im Luftzug tanzenden Pfauenfeder zum Klingen gebracht wird. Janis E. Müllers Werke in dieser Ausstellung fungieren wie Tonabnehmer, die Gegenständen, die ihrer ursprünglichen Funktion entzogen sind, ihren eigenen Klang entlocken. In der hohen Reduktion der Mittel, die geradezu lapidar eingesetzt werden, gelingt es, das Gegenbild eines poetischen Zaubers ins Werk zu setzen.

Mitglieder der Jury waren:
Carsten Ahrens, Weserburg | Museum für moderne Kunst
David Bartusch, Freundeskreis der Hochschule für Künste Bremen
Stefanie Böttcher, Künstlerhaus Bremen
Dr. Christoph Grunenberg, Kunsthalle Bremen
Wolfgang Hainke, Bildender Künstler
Karin Hollweg, Karin und Uwe Hollweg Stiftung
Frank Laukötter, Kunstsammlungen Böttcherstraße
Annett Reckert, Städtische Galerie Delmenhorst
Janneke de Vries, GAK – Gesellschaft für aktuelle Kunst

Zu sehen ist die Ausstellung OUT NOW Meisterschüler der Hochschule für Künste 2012 vom 29. Juli bis 7. Oktober 2012 Weserburg | Museum für moderne Kunst

Neben Arbeiten von Janis E. Müller versammelt sie Positionen von Hinrich Brockmüller, Clarissa Dietrich, Birte Endrejat, Jörg Engelhardt, Mirsad Herenda, Tahera Khalid, Karolin Kloppstech, Danuta Kurz, Rebecca Llanos-Farfán, Natalia Moor und Natalie Wild aus den Klassen von Professor Stephan Baumkötter, Professor Jean-François Guiton, Professorin Franka Hörnschemeyer, Professor Andree Korpys, Professor Markus Löffler, Professor Peter W. Schaefer und Professor Yuji Takeoka

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