Gern möchten wir auf folgenden Vortrag hinweisen:

Di. 17. Jan. 2012, 20 Uhr / Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5 / Dr. Bence Viola, Leipzig „Wie alles begann – der aufrechte Gang“ / Forschungen in Äthiopien / Zusammen mit: Bremer Gesellschaft für Vorgeschichte, Übersee-Museum Bremen, Naturwissenschaftlicher Verein

„Der aufrechte Gang des Menschen ist eine Besonderheit, die uns von allen anderen Primaten unterscheidet. Wie die Bipedie entstand, ist eine der großen Fragen der Menschheitsentwicklung. Viele Erklärungen sind für dieses Phänomen vorgeschlagen worden, sei es das Tragen von Werkzeugen, Nahrung und Nachwuchs, Mechanismus zur Regulation der Körpertemperatur, oder eine Anpassung an die immer weniger bewaldete Umwelt. Eines der Probleme ist, dass Fossilfunde aus jenem Zeitraum als die Bipedie erstmalig erschien, sehr rar gesät sind.

Bis vor etwa 15 Jahren haben Funde aus dem Zeitraum zwischen 10 und 3.5 Millionen Jahren vor heute fast völlig gefehlt. Die erstärkte Grabungstätigkeit in Ostafrika in den letzten Jahren hat zur Entdeckung von fünf verschiedenen Vormenschenarten geführt, die älter als 4 Millionen Jahre alt sind. Diese Funde zeichnen nun ein viel komplexeres Bild unserer Evolution, mit mehreren Entwicklungslinien, die sich unterschiedlich an die sich ändernde Umweltbedingungen angepasst haben.

Die Erforschung unserer frühesten Vorfahren ist heute ein interdisziplinäres Gebiet, wo zahlreiche Spezialisten im Feld und Labor zusammenarbeiten um die Umwelt, Tierwelt und das Leben vor Millionen von Jahren zu rekonstruieren. Im Feld erlaubt die Analyse von Satellitenbildern potentiell fundreiche Gebiete einzugrenzen. Differential-GPS und Totalstation erlauben das genaue Vermessen von Lokalitäten. Geologie hilft bei der Altersbestimmung der Ablagerungen, sowie der Untersuchung der Ablagerungsbedingungen. Die Tierwelt lässt Rückschlüsse auf das Alter, aber auch auf die Umwelt und Vegetation zu. Im Labor bieten neue Zugänge wie die Analyse von stabilen Isotopen in fossilen Böden und im Zahnschmelz von Tieren die Möglichkeit das Klima im Detail zu untersuchen. Bildgebende Verfahren aus der Medizin geben einen Einblick in die interne Mikrostruktur von Knochen und Zähnen.

Seit 2000 führt das Galili Research Project Ausgrabungen und Surveys an der Fundstelle Galili im Afar-Dreieck Äthiopiens durch. Diese Fundstelle ist eine von wenigen auf der Welt, die, durch eine Abfolge von vulkanischen und sedimentären Ablagerungen, den Zeitraum zwischen fünf und drei Millionen Jahren abdeckt,. Diese Schichtfolge ist ein Archiv der Klima- und Umweltgeschichte, und lieferte neben rund 2000 Tierresten auch 13 Fundstücke unserer Vorfahren. Eines dieser Überreste ist ein relativ gut erhaltener Oberschenkelknochen, der zeigt, dass sich vor etwa 4.3 Millionen Jahren die Hominiden in diesem Gebiet am Boden zwar aufrecht fortbewegten, aber wahrscheinlich auch noch häufig kletterten.

Der Vortrag gibt einen Überblick über die Theorien zur Entstehung des aufrechten Ganges, sowie einen Einblick in die Forschungsarbeit in Ostafrika.

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