Dienstag, 6. Dezember 2011, 20 Uhr gibt es im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5 einen Vortrag von Prof. Dr. Andreas Müller aus Kiel zusammen mit dem Freundeskreis der Antike zu Bremen, Stiftung Bremer Dom & der Vereinigung für Bremische Kirchengeschichte zum Thema „Das Beispiel Rom“.

Die Christianisierung staatlicher Wohlfahrtsinstitutionen im spätantiken Rom Die Geschichte der Wohlfahrt, Caritas und Diakonie in der Spätantike ist zum letzten Mal von Gerhard Uhlhorn vor über 100 Jahren monographisch bearbeitet worden. Seitdem hat es nur zahlreiche vereinzelte Detailstudien zu dem Thema gegeben. Andreas Müller stellt in seinem Vortrag einen Teilaspekt für eine neue, große Geschichte der Wohlfahrt in genanntem Zeitraum vor.
Im 6. Jahrhundert entstanden in Rom so genannte Diakonien. Es handelte sich dabei um Institutionen, die sich der Sorge für die bedürftige stadtrömische Bevölkerung annahmen. In den vergangenen Jahren ist in der Forschung erneut die Frage nach der Herkunft und dem besonderen Profil dieser Einrichtungen aufgebrochen. Müller schließt sich – mit einer ausführlichen Begründung – der alten Hypothese an, dass die stadtrömischen Diakonien an die Tätigkeit von staatlichen Wohlfahrtsinstitutionen angeknüpft haben. Er erläutert die funktionale Kontinuität am Beispiel von S. Maria in Cosmedin. An deren Stelle hat in vorchristlicher Zeit die Getreideverteilung an die stadtrömische Bevölkerung stattgefunden.

Der Vortrag bietet Einblicke in die Geschichte der Stadt Roms insbesondere im 6. Jahrhundert, in die Geschichte der Diakonien vor Ort allgemein und in die Archäologie von S. Maria in Cosmedin im Besonderen. Vor allem wird der Frage nach der Herkunft und Funktion der stadtrömischen Diakonien nachgegangen. Dabei wird nicht nur der funktionellen Sukzession vor Ort nachgegangen und das so genannte Annonen-System in Rom erläutert, sondern auch die Verbreitung von Diakonien im gesamten Mittel-meerraum bis hin nach Konstantinopel und Jordanien thematisiert.

Insgesamt geht es bei der Behandlung der Diakonien um die Frage, was an der christlichen Wohlfahrt eigentlich christlich war. Ist die „christliche Liebestätigkeit“ eine spezifisch christliche Erscheinung?

Hat sie tatsächlich an andere Institutionen der Antike wirklich angeknüpft? Wenn ja: Was macht das spezifisch Christliche der Wohlfahrtseinrichtungen aus?

VITA: Andreas Müller, geboren 1966. Seit Oktober 2009 Professor für Kirchen- und Religionsgeschichte des 1. Jahrtausends an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Zuvor wissenschaftlicher Mitarbeiter in München, Pfarrer mit einem wissenschaftlichen Forschungsauftrag in Minden/Westf. und Lehrstuhlvertreter an den Universitäten in Jena und Berlin (HU). 1998 Promotion in Heidelberg über den griechischen Katechismus des humanistischen Reformators Valentin Wagner aus Kronstadt/RO. 2003 Habilitation in München über das Motiv des Geistlichen Gehorsams bei Johannes Sinaites als einem wichtigen Element orthodoxer Konfessionskultur. Augenblickliche Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des Pilgerwesens und der (christlichen) Wohlfahrt in Antike und Spätantike.

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