PublicViewing

…oder wie das Theater sich selbst inszeniert.

Als einen „zutiefst demokratischen Einsatz“, bezeichnete der Bürgermeister und Kultursenator Jens Börnsen das gestrige Experiment, die Oper durch Public Viewing bürgernah zu gestallten. Eine vor dem Theaterhaus aufgebaute Leinwand sollte die Premiere von „Rienzi“ nach außen tragen, um so den Menschen, die Interesse an der Oper zeigen, die kostenlose Teilnahme zu ermöglichen. Berührungsängste sollten dadurch abgebaut werden, neue Zielgruppen gewonnen. „An die Oper unkompliziert heranführen“, bezeichnete die Regisseurin Kathrin Wagner diese Prozedur.

Der Ansatz ist edel und lobenswert. Für einige Bremer, die – angesichts von Eintrittspreise bis zu 54 Euro – sich schlicht keine Eintrittskarte leisten können, ist es die Möglichkeit, am kulturellem Geschehen teilzunehmen. Auch wächst die Akzeptanz – pro Theater – in der Bevölkerung, wenn diese Kulturstätte, in die millionenschwere Steuersubventionen fließen, auch etwas den Steuerzahlern zurückgibt. Wer die großen Fußballübertragungen während der WM miterlebt hat, der weiß, dass derartige Events eine besondere, ausgelassene und freudig aufgeladene Atmosphäre haben können, was wiederum eine Chance bietet, das Elitäre, das scheinbar so Abgehobene, Entrückte der Oper in Frage zu stellen.

Die Auffassung des Theaterbetriebes Bremens, was Public Viewing sei und wie dies funktioniere, unterscheidete sich aber etwas von dem Bild, das man gemeinhin von derartigen Events hat. Die bis zu Tausend Zuschauer fanden drei kleine Filmleinwände, die am Gebäude des Theaters, in der Höhe des ersten Stocks, aufgespannt waren. Das gleiche Bild beim Ton! Die den Umgebungsgeräuschen gar nicht oder nur leidlich angepasste Lautstärke – Straßengeräusche übertönten regelmäßig den Ton der Darbietung -, erschwerte den Besuchern, dem Stück folgen zu können. Dieses wurde darüber hinaus zusätzlich erschwert, da stellenweise die Tonqualität nur als schlecht zu bezeichnen war! An ein gut sichtbares Laufband, an dem man zumindest den vorgetragenen Text hätte ablesen können, um so der Handlung folgen zu können, wurde erst gar nicht gedacht! Dass dann auch noch das gastronomische Angebot so gar nicht an ein weniger finanzstarkes Klientel angepasst erschien – zwischen den Bistrotischen und Bierbänken schlenderten schick gekleidete Kellner, welche nur feinste Weine und Tapas servierten – rundete dieses Gesamtbild ins Negative ab und es war dann auch nicht mehr verwunderlich, dass die überwiegende Mehrzahl des angereisten Publikums dieser Veranstaltung vorzeitig den Rücken zukehrte und nur noch wenige Hartgesottende bis zum Ende blieben.

Aber wie sieht Theater Bremen das Ganze? „Uns geht es nicht um einen Eventcharakter (…), es soll ein Stück Kunst sein (…), es ist ein feineres Format, dass nicht Massenaffin sein soll!“, sagte der Intendant Hans-Joachim Frey in der Pressekonferenz. „Das Theater
Bremen ist glücklich den Bremern ein Geschenk der besonderen Art zu präsentieren!“, stand wochenlang auf der Internetseite des Theater Bremens. Das sind nicht die besten Voraussetzungen zu hoffen, dass diese doppelte Premiere als Lerngrundlage genommen werden soll, mit derartigen Events neue Besucher zu werben.

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