Am 30.9.2008 gab die Gruppe „Liederfolk“ wie angekündigt im Haus Müller, Ganderkesee ein Konzert. Unterstützt wurden sie von der Gruppe „The Shannons“, die nach der Pause irische Lieder zum besten gaben.
Helmfried Röder, Anja Röder-Bröning, Barbara Kroos, Hartmut Pech, Hans-Werner Hedderich, Manfred Weichert und Wiebke Schulz haben sichtlich Spaß am Musizieren.
Wie schon erwähnt, kenne ich die Gruppe quasi schon mein Leben lang, da mein Vater seit mehr als 30 Jahren Mitglied ist. Seit 2001 spielt auch meine große Schwester als jüngstes Mitglied mit. Trotzdem war dieses Konzert was ganz besonderes für mich, denn die Gruppe hat viele alte Stücke wieder aufgefrischt, die auch ich noch nie gehört habe. Folgender Dialog mit meiner Mutter wiederholte sich einige Male während des Konzertes: „Oh, das kenn ich gar nicht, das ist neu!“ „Ach nein, das ist ein ganz altes Stück!“ Aber ich beginne lieber ganz am Anfang.
Nachdem das Publikum Platz genommen hatte und auf eine leere Bühne blickte, vernahm man von irgendwo Klarinettenklänge und die Gruppe kam langsam und gemeinsam spielend nach und nach auf die Bühne. Überall auf der Bühne sah man diverse Instrumente, die später noch zum Einsatz kommen würden. Man fand diverse Gitarren, ein Akkordeon, eine Klarinette, ein Sopransaxophon, mehrere Flöten, jede Menge gewöhnliche und ungewöhnliche Schlag-Instrumente wie z. B. die irische Rahmentrommel Bodhran, um nur einige zu nennen. Nach dem jiddischen Instrumental zu Beginn folgten zwei weitere jiddische Lieder, deren Inhalt man durch die kurzen erklärenden Worte vor jedem Stück gut verfolgen konnte, auch wenn man nicht jedes Wort verstand. Gestik und Mimik der Musiker während der Stücke halfen zusätzlich dabei, so macht das Zugucken außerdem gleich doppelt so viel Spaß. Liederfolk hat es sich grundsätzlich angewöhnt, kurz zu erklären, worum es geht bzw. in welchem historischen Kontext die Stücke entstanden sind, so dass man gleich viel mehr mit den Stücken anfangen kann. Es folgten drei plattdeutsche Lieder, wobei mir persönlich am besten das Regenleed gefiel und drei Gospels. Dann war die erste Hälfte des Konzertes leider schon wieder um. Man hat aber schon während der ersten Hälfte deutlich gemerkt, wie viel Spaß die Musiker bei ihrer Sache haben und diese Freude überträgt sich recht schnell auf das Publikum, das mehrmals während des Applauses laut jubelte.
Während der Pause hatte man die Möglichkeit, einen Schluck zu trinken oder mit Gästen und Musikern zu klönen. Außerdem konnte man Tonträger (CD’S und tatsächlich auch noch Kassetten) von Liederfolk erwerben. Stets aufgefrischte Behälter mit Erdnüssen und Salzstangen standen ebenfalls bereit. Etwas verspätet startete die Gruppe „The Shannons“, als alle wieder ihre Plätze eingenommen hatten.
Zuallererst war ich leicht geschockt, denn nach dem unverstärkten Auftritt von Liederfolk, die auch so sehr gut den Raum mit schönem Klang gefüllt haben, brüllte uns nun ein komplett verstärktes Duo in der Besetzung Gitarre (Michael Stumpe) und Akkordeon (Fred Molde) an, welches für meinen Geschmack so etwas zu laut war. Aus der Pause wussten wir schon, dass diese Gruppe zwei oder drei Lieder spielen wollte, dann sollte der zweite Teil von Liederfolk folgen. Der Beitrag von „The Shannons“ erstreckte sich allerdings auf satte 25 Minuten und ca. sechs oder sieben irische Lieder (ich hab jetzt nicht gezählt
). Hauptakteur Fred Molde (Gesang, Akkordeon) beeindruckte mit den Fähigkeiten auf seinem Instrument, hatte einen recht passenden irischen Slang drauf und wurde solide von der Gitarre begleitet. Allerdings erinnerten seine Ansagen zwischen den Liedern gespickt mit kurzen Musikschnipseln eher an Ansagen von so Festtagscombos, deren Inhalt eh nebensächlich ist, weil keiner zuhört. Jedenfalls erschloss sich mir der Inhalt der Lieder durch sie nicht. Etwas irritiert hat mich die Aussage Moldes zu der Frage, warum er eigentlich irische Musik macht. „Ich hab mich nie für Irland interessiert, ich interessiere mich nicht für irische Musik, ich interessiere mich nur für mein Instrument und ich bin immer froh, wenn ich etwas gefunden habe, was ich darauf spielen kann.“ Nach dieser Aussage konnte ich persönlich ihn dann nicht mehr so ernst nehmen. Ich fand das Ganze etwas deplatziert, wenn man bedenkt, dass Liederfolk gerade darauf Wert legt, warum und in welchen Kontext Lieder entstanden sind und was mit ihnen ausgesagt werden soll. Da ich in der zweiten Reihe saß, bin ich brav sitzen geblieben, habe aber im Nachhinein gehört, dass andere den Raum verlassen haben. Liederfolk stand während der letzten drei Lieder leicht irritiert in den Startlöchern und fragte sich wohl, wann sie wieder dran sind.
Nach „Dirty Old Town“ („Bei dem Lied muss ich immer an Delmenhorst denken“, gestand Molde) wurde dann die Technik wieder abgebaut und nach kurzem Einstimmen kehrten die gewohnten Klänge unplugged zurück. Es folgten weitere 60 Minuten Folklore, bei der auch das Publikum kaum still sitzen bleiben konnte. Ich persönlich kannte ja viele Stücke schon in und auswendig, darum fiel es mir besonders schwer. Ein besonderes Highlight für mich waren „The Sun Didn’t Shine“ und „Streets Of London“. Bei letzterem war Hans-Werner Hedderichs Stimme wie gemacht dafür, so dass einem Schauer über den Rücken liefen.
Mit dem letzten Stück, „ Az der Rebbe Elimelech“ verließen die Musiker wie im Stück beschrieben nach und nach die Bühne, bis der Rebbe, Hartmut Pech alleine da stand und einsam auf seiner Bodhran trommelte.
Nach dem durchdringenden Applaus gab es natürlich noch zwei Zugaben, allerdings kam das Publikum nicht drum herum, dabei selbst mit zu machen. Das ist übrigens meistens so, wenn Helmfried Röder irgendwo auftritt ;). Den Refrain von „Donaj“ lernten wir schnell (unsere Ecke kannte ihn schon, alles Chorsänger) und so sangen wir gemeinsam das gleichzeitig schöne und traurige Lied über das Kälbchen, welches doch ein Vogel hätte werden sollen, wenn es nicht auf der Schlachtbank enden will. Den endgültigen Abschluss läuteten die Musiker mit „This Little Light“ ein und entließen uns alle mit mindestens einem Ohrwurm.
Wer jetzt übrigens Lust auf mehr bekommen hat, der kann ein paar Hörbeispiele auf Liederfolks Homepage anhören. Ich hoffe, demnächst treten sie auch mal in Bremen direkt auf
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